Mit anderen Augen
- Christina Meier

- 26. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
NEU eingetroffen von Jane Tara - eine Leseempfehlung
Am 22. April erschien im Diogenes Verlag ein ganz besonderes Buch, das mich beim Lesen tief berührt und nachhaltig beschäftigt hat: „Mit anderen Augen“ von Jane Tara (25,-€).

Worum geht es?
Tilda Finch führt ein erfülltes Leben – sie hat zwei wunderbare Töchter, ein erfolgreiches Business und ein starkes Netzwerk aus Freundinnen. Doch plötzlich gerät ihre Welt aus den Fugen: Ihr kleiner Finger verschwindet. Dann folgen weitere Körperteile. Die Diagnose ist ebenso rätselhaft wie beunruhigend – Tilda wird unsichtbar werden.
Was zunächst wie ein surrealer Einfall wirkt, entfaltet schnell eine starke metaphorische Kraft. Denn Tildas körperliches Verschwinden steht für ein Gefühl, das viele Menschen kennen: nicht gesehen zu werden, übersehen zu werden, unsichtbar zu sein – im Alltag, im Beruf, in Beziehungen. Besonders Frauen finden sich in dieser Erfahrung wieder.
Was mich an diesem Roman ebenso begeistert hat, ist die Sprache. Jane Tara erzählt klar und gleichzeitig eindringlich, mit feinem Gespür für Emotionen und Zwischentöne. Es gelingt ihr große Themen wie Selbstwahrnehmung, Einsamkeit und innere Stärke in eine ungewöhnliche Geschichte zu verweben, die gleichermaßen berührend wie stärkend ist. Tildas Weg, sich gegen ihr Verschwinden zu stemmen und sich selbst neu wahrzunehmen, ist mutig und inspirierend.

Ein Blick auf die Autorin lohnt sich ebenfalls: Jane Tara, aufgewachsen im australischen Byron Bay, ist eine äußerst vielseitige Schriftstellerin. Sie hat bereits über 100 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, außerdem Drehbücher und Romane geschrieben. Nach vielen Jahren des Reisens lebt und arbeitet sie heute als freie Autorin in Sydney. "Mit anderen Augen" ist ihr erster Roman im Diogenes Verlag – und zeigt eindrucksvoll, wie feinfühlig und lebensnah sie auch für ein erwachsenes Publikum erzählen kann.
Das Buch erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren – und wie viel Kraft darin liegt, sich wieder sichtbar zu machen. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen isoliert oder übersehen fühlen, ist diese Geschichte ein echtes Mutmachbuch.
Für mich ist „Mit anderen Augen“ eine absolute Leseempfehlung: ein Roman, der nachhallt und dazu anregt, sich selbst und andere bewusster wahrzunehmen.


