Literarische Begegnung am Meer
- Christina Meier

- 2. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Büchertage in Timmendorfer Strand 2026 - Teil 1
Vom 08. bis 12. April 2026 verwandelte sich das Aura Hotel in Timmendorfer Strand in einen lebendigen Treffpunkt für Literaturbegeisterte. Die Büchertage boten nicht nur Raum für Lesungen und Gespräche, sondern vor allem für persönliche Begegnungen, die noch lange nachwirken. Am 08. und 09. April waren es insbesondere die Gespräche mit Volker Weidermann und Jan Koneffke, die den Start für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Hier entstand eine Atmosphäre, die zugleich inspirierend und entschleunigend wirkte.
Mit einem Büchertisch vor Ort vertreten zu sein gab mir als Buchhändlerin nicht nur die Gelegenheit zu intensiven Gesprächen mit Besucherinnen und Besuchern, sondern auch einen direkteren Zugang zu den Autorinnen und Autoren

Die Begegnung mit Volker Weidermann, einem deutschen Literaturkritiker, Fernsehmoderator und Autor, der sich in seinen Werken häufig biografisch-historischen Stoffen widmet, war dabei besonders eindrucksvoll. In seiner Lesung stellte er seinen Roman „Mann vom Meer – Thomas Mann und die Liebe seines Lebens“ (btb Verlag, € 14,-) vor und zog das Publikum mit seiner lebendigen Erzählweise sofort in den Bann. Seine Sprache machte nicht nur die Figur Thomas Manns greifbar, sondern eröffnete auch einen sehr persönlichen Eindruck zu dessen Gefühlswelt.
Das Meer erscheint dabei als Sehnsuchtsort und Quelle der Inspiration – ein Raum, in dem sich Thomas Mann freier fühlte und persönliche Seiten von sich zeigen konnte. Besonders die Ostsee, mit Orten wie Lübeck und Travemünde, prägte ihn nachhaltig. Die Geschichte beginnt für Volker Weidermann viel früher mit der Kindheit von Manns Mutter Julia in Brasilien, wo ihre eigene Beziehung zum Meer ihren Anfang nahm.
Das Buch ist sorgfältig recherchiert und zugleich leicht und zugänglich geschrieben – und spricht damit weit über begeisterte Thomas-Mann-Lesende hinaus an. Eine Lesung dieses Werkes direkt an der Ostsee, unweit der prägenden Schauplätze, verlieh dem Ganzen eine besondere, stimmige Atmosphäre.

Beim Autorengespräch am darauffolgenden Morgen ging es nicht nur um das aktuelle Buch, sondern auch um Volker Weidermanns Laufbahn, seine Entwicklung als Autor und seine weiteren Werke. Besonders spannend war dabei, wie reflektiert und zugänglich er über seinen eigenen Werdegang sprach – ein Austausch, der weit über die reine Buchbesprechung hinausging. Es wurde schnell deutlich, wie sehr Literatur für ihn nicht nur Beruf, sondern Berufung ist. Seine Art, komplexe literarische Zusammenhänge verständlich und lebendig zu vermitteln, macht seine Bücher mehr als lesenswert.
Ganz anders, aber nicht weniger eindrucksvoll, gestaltete sich die Begegnung mit Jan Koneffke. Mit einer ruhigen, beinahe poetischen Präsenz zog er die Zuhörenden in seinen Bann. Seine Erzählweise wirkte durchdacht und fein nuanciert, oft mit einem leisen Humor durchzogen, der erst auf den zweiten Blick seine volle Wirkung entfaltete. Es waren diese Zwischentöne, die seine Worte besonders nachhaltig machten. In seiner Lesung präsentierte er seinen Roman „Im Schatten zweier Sommer“ (Galiani Berlin Verlag, € 24,-).

Der Roman erzählt von einer zarten Liebesgeschichte vor dem Hintergrund großer historischer Umbrüche. Im Wien des Jahres 1914 begegnet die junge Fanny dem schüchternen Studenten Joseph Roth – ein unbeschwerter Sommer beginnt, der jedoch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh endet. Erst Jahrzehnte später, 1938 im Exil in Paris, treffen sich beide wieder. Roth ist inzwischen ein gefeierter, aber innerlich zerrissener Schriftsteller. Fanny begleitet ihn bis kurz vor seinem Tod – eine späte, bewegende Verbindung zwischen Liebe, Verlust und den Schatten der Geschichte.

Im Interview am folgenden Morgen gewährte Jan Koneffke darüber hinaus Einblicke in sein weiteres literarisches Schaffen. Dabei sprach er über Werke wie „Eine nie vergessene Geschichte“ und – mit einem augenzwinkernden, sehr humorvollen Ton – über „Die Tsantsa-Memoiren“. Gerade diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und feinem Humor machte das Gespräch besonders lebendig und nahbar.
Was beide Begegnungen verband, war die spürbare Nähe zwischen Autor und Publikum. Es ging nicht nur um Texte, sondern um Gedanken, Erfahrungen und Perspektiven. Als Buchhändlerin mittendrin zu sein, bedeutete für mich nicht nur, Literatur zu präsentieren, sondern sie im direkten Austausch greifbar, persönlich und lebendig werden zu lassen.
Nun freue ich mich auf die Begegnungen mit Katharina Hacker, die aus ihrem Roman“Die Gäste“ (Fischer Verlag, € 14,-) lesen wird und Judith Kuckart, die bei den Büchertagen aus ihrem Roman „Die Welt zwischen den Nachrichten“ (Dumont Verlag, € 15,-) liest.
Fortsetzung folgt…
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