Stimmen der Gegenwart
- Christina Meier

- 11. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Büchertage in Timmendorfer Strand 2026 - Teil 2
Auch der zweite Teil der Büchertage im Aura Hotel in Timmendorfer Strand stand ganz im Zeichen intensiver literarischer Begegnungen. Mit Katharina Hacker und Judith Kuckart traten zwei Autorinnen auf, die mit ihren Werken eindrucksvoll zeigen, wie vielschichtig und gegenwärtig Literatur heute sein kann.

Katharina Hacker, 1967 in Frankfurt am Main geboren, lebt nach mehrjährigen Aufenthalt in Israel als freie Autorin mit ihrer Familie in Berlin und Brandenburg. 2006 erhielt sie den Deutschen Buchpreis für "Die Habenichtse". Als sie nun aus ihrem Roman „Die Gäste“ (Fischer Verlag, 14,-€ ) las, entfaltete sie dabei eine dichte, atmosphärische Erzählweise, die das Publikum schnell in ihren Bann zog. Ihre Sprache ist präzise und zugleich eindringlich – sie eröffnet Räume für Zwischentöne und fordert dazu auf, genauer hinzusehen - hilfsbereit zu sein und auch um Hilfe zu bitten.
In diesem Roman wagt Friederike mit fünfzig einen Neuanfang: Sie erbt überraschend ein Café in Berlin und lässt ihr bisheriges Leben hinter sich. Zwischen skurrilen Figuren, absurden Ereignissen und den Nachwirkungen gesellschaftlicher Krisen hält sie unbeirrt an ihrer Hoffnung und an der Freude fest, für andere da zu sein.

Mit feinem Gespür für das Absurde und Menschliche erzählt Katharina Hacker eine ebenso ungewöhnliche wie berührende Geschichte – voller leiser Wunder und unerwarteter Begegnungen.
Sie selbst sagt: "Es ist nicht länger die Zeit, den eigenen Platz zu behaupten. Es ist die Zeit, anderen einen Platz zu bieten."
Auch Judith Kuckart, geboren 1959 in Schwelm (Westfalen), lebt als Schriftstellerin und Regisseurin in Berlin und wurde mit zahlreichen Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Sie beeindruckte mit einer Lesung aus ihrem Roman „Die Welt zwischen den Nachrichten“ (Dumont Verlag, € 15,-). Ihr Blick auf die Welt ist sensibel, reflektiert und von einer besonderen Leichtigkeit getragen, die selbst komplexe Themen zugänglich macht.

Sie verwebt in diesem Buch persönliche Erinnerungen mit Zeitgeschichte und zeichnet so das Porträt einer ganzen Generation. In dichten, eindringlichen Momentaufnahmen erzählt sie von prägenden Erlebnissen – von Kindheit und Familie über politische Umbrüche bis hin zum eigenen künstlerischen Weg. So entsteht ein ebenso intimer wie zeitgeschichtlicher Text, der berührt und zugleich den Blick auf das eigene Leben und die kommenden Jahre öffnet.
Wie bereits im ersten Teil der Büchertage boten die darauffolgenden Morgengespräche die Gelegenheit, die Autorinnen noch einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Im Fokus standen dabei ihre jeweiligen Werdegänge, ihr literarisches Schaffen und die Entwicklungen ihrer Karrieren. Diese Gespräche gaben spannende Einblicke in die Hintergründe ihres Schreibens und machten deutlich, wie unterschiedlich die Wege in die Literatur sein können. Wir dürfen uns heute schon auf die kommenden Werke von Katharina Hacker, dieser besonderen Autorin, freuen, die bereits in ihrer Entstehung sind.

An dem Morgen mit Judith Kuckart wurde es sehr lebendig. Durch Ausschnitte des Hörspiels vom SWR zu ihrem neuesten Roman bekamen die Zuhörenden einen intensiveren Einblick in diesen autofiktionalen Roman. Auch das Gespräch zwischen den Szenen mit viel Ernsthaftigkeit und Humor machen Lust, den Roman einmal in Gänze zu lesen.
Gerade die Kombination aus Lesung und persönlichem Austausch machte auch diesen Teil der Büchertage zu einer bereichernden Erfahrung – nahbar, inspirierend und geprägt von der besonderen Atmosphäre des Ortes.
Die Büchertage in Timmendorfer Strand haben einmal mehr gezeigt, wie kraftvoll Literatur als verbindendes Element wirken kann.
Ich nehme aus diesen Tagen nicht nur viele neue Eindrücke mit, sondern auch die Bestätigung, wie wichtig literarische Räume sind – Orte, an denen Bücher, Gedanken und Menschen zusammenfinden.
Ein großes Dankeschön geht an das Organisationsteam rund um Thomas Abel für die Gelegenheit wieder ein Teil dieser besonderen Tage gewesen zu sein - insbesondere hier auch an seine Frau Christine, die sich in den Momenten meiner Abwesenheit um die Bücherinteressierten kümmerte.
Möchten Sie mehr über diese wiederkehrenden Literaturtage erfahren lesen Sie hier:
Informationen zum Aura Hotel speziell für blinde und sehbehinderte Menschen und ihre Begleitung: https://www.aura-timmendorf.de
